Eine Familie findet neuen Halt
Eine Familie aus Syrien, ordnet ihr Leben in Wien neu
Eine syrische Familie kommt vor über einem Jahr nach Wien. Drei Kinder, ein gehörloser Vater ohne Arbeitsfähigkeit, eine Mutter, die nie lesen und schreiben gelernt hat. Seit September 2025 begleitet Arwa die Familie im Auftrag der MA11.
Die Ausgangslage ist schwierig. Die Familie lebt zu fünft in einem Zimmer. Sie kennt sich mit dem österreichischen System nicht aus. Es gibt kein Netzwerk, keine finanzielle Übersicht, keine Tagesstruktur. Die Kinder kommen in der Schule nicht mit und haben keine Freizeitbeschäftigung. Und es gibt Gewalt in der Familie, ausgelöst durch die Überforderung des Vaters.
Gemeinsam mit der Familie erarbeitet Arwa klare Ziele: eine stabile Wohnsituation, geordnete Finanzen, ein gewaltfreies Familienleben, Bildung für die Mutter, Orientierung im System, ein tragfähiges Netzwerk, Schulerfolg und sinnvolle Freizeit für die Kinder, so wie irgendwann, wenn genug Stabilität erreicht ist, der Einstieg der Mutter in den Arbeitsmarkt.
Und dann beginnt die Arbeit. Arwa führt eine Familienkonferenz zum Thema Gewalt durch. Jeder darf sprechen, jeder wird gehört. Am Ende steht eine klare Vereinbarung: Gewalt ist verboten und hat Konsequenzen. Vater und Mutter verstehen das.
Sie zeigt der Mutter, wie eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung funktioniert, wie man mit Einkaufsliste einkauft, wo die Sozialmärkte sind. Sie stärkt die Mutter darin, ein Vorbild für ihre Kinder zu sein.
Für die Kinder findet sie passende Angebote: Fußball für die beiden Buben, Tanzen bei HobbyLobby für die Tochter, dazu eine Adipositas-Ambulanz mit Ernährungsplan. Die Buben bekommen Lernhilfe von der VHS. Zuhause gibt es jetzt fixe Lern- und Aufgabenzeiten. Die Noten verbessern sich sichtbar, das macht die Kinder und die Eltern stolz und fröhlich.
Die Mutter besucht einen Deutschkurs und eine Konversationsgruppe, von uns bekommt sie Lernhilfe zu Hause, erst diese Unterstützung ermöglicht ihr den Zugang zur neuen Sprache, der Vater einen Deutschkurs mit Gebärdensprache. Die Familie baut sich ein eigenes Netzwerk auf – Nachbarschaftszentrum, Büchereien, Fremde werden Freunde.
Das Ergebnis: Die MA11 kann die Befassung im Februar beenden, weil sich die Situation durch die neu gewonnenen Erziehungskompetenzen und der gewaltfreie Umgang zu Hause sowie die neue Tagesstruktur deutlich stabilisiert hat.
Im April 2026 schließt Arwa die intensive Begleitung ab. Die Mutter lernt weiter Deutsch und bearbeitet ihre Traumata. Im Herbst steigen wir wieder ein – dann ist diese unglaublich starke Frau, die mit Arwas schützender und unterstützender Hand schon so viel geschafft hat, sicher bereit, über ein Arbeitstraining in unserer Nähwerkstatt in den Arbeitsmarkt einzusteigen.
Liebe Arwa, da ist dir etwas großartiges gelungen, deine Arbeit ist so richtig toll!
